Holger Brandstätter
Autor bei Steuerwerkbank
Über mich
Der Schreibtisch ist eine umgebaute Hobelbank. Links das CAD-Fenster, rechts die Konto- und Belegansicht. Seit 2014 mache ich meine EÜR und Einkommensteuererklärung von genau diesem Platz aus, als freiberuflicher Industriedesigner in Stuttgart.
Im ersten Jahr hab ich mir die Formulare selbst erschlossen: ELSTER, die offizielle Ausfüllhilfe, gelegentlich das Telefonbuch des Finanzamts. Das hat funktioniert, aber mit Lücken, die ich erst später bemerkt habe. Also hab ich Kurse gekauft.
Den ersten hab ich nach zwei Modulen weggeklickt. Die Lerneinheiten erklärten hauptsächlich, warum Steuern wichtig sind. Das wusste ich bereits. Den zweiten hab ich komplett durchgearbeitet und dann gemerkt, dass er für Handwerker mit Lagerbestand konzipiert war, nicht für jemanden der Stunden fakturiert und keine Waren bewegt. Kurs drei hat mir wirklich geholfen. Den vierten hätte ich früher machen sollen.
Parallel dazu drei Steuersoftware-Lösungen getestet. Eine hat nach jeder Eingabe auf kostenpflichtige Erweiterungen hingewiesen. Eine zweite hatte eine Oberfläche, bei der ich nach drei Monaten immer noch suchte, wo welches Feld liegt. Die dritte funktioniert, mit deutlichem Abstand. Zwei Buchhaltungstools hab ich wieder abbestellt: einmal wegen stiller Preiserhöhung nach einem Jahr, einmal weil die mobile Belegerfassung regelmäßig Fehler produziert hat, die ich erst beim Jahresabschluss bemerkt habe.
Kaspar Menges, ehemaliger Agenturkollege und heute freiberuflicher UX-Designer, ruft an, wenn seine EÜR-Tabelle wieder nicht aufgeht. Tassilo Wörner, Fotograf aus dem Coworking, hatte eine Zeit lang drei Buchhaltungs-Apps parallel abonniert und ist trotzdem der einzige in unserer Runde, der die Umsatzsteuervoranmeldung termingerecht einreicht. Annkatrin Seibold, Texterin aus der Nachbarschaft, hat mich auf dem Wochenmarkt nach ELSTER gefragt. Sie macht ihre Buchhaltung mit einer gedruckten Checkliste, sonntags vor dem Mittagessen, und braucht keine App. Alle drei stellen Fragen, die ich vor zwölf Jahren selbst gestellt habe.
Zwölf Jahre eigene Buchführung sind mein Werkzeugkasten. Kein Steuerrechtsstudium dahinter, keine Steuerberaterprüfung. Was ich schreibe, sind Einschätzungen aus dem Alltag eines Freiberuflers der seine EÜR selbst macht. Wer komplexe Situationen vor sich hat (Auslandseinkünfte, Gesellschaftsformen, Vermietung) braucht einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein, keinen weiteren Kursvergleich.
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